Montag, 26. März 2012

Stadtkirche Schwenningen

Älteste und bis heute die zentrale Kirche unserer Kirchengemeinde im Herzen von Schwenningen, zwischen Marktplatz und Muslenplatz gelegen. Ihr Turm, ein Wahrzeichen von Schwenningen- das älteste Gebäude in unserem Stadtbezirk.
Die Gemeindebezirke der Stadtkirche umfassen die Innenstadt, reichen im Osten bis zum Deutenberg und Steinkirch, im Norden bis zur Linie Römerstraße- Schopfelenstraße, insgesamt ca. 3500 Gemeindeglieder wohnen dort.


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Aus der Geschichte der Stadtkirche: Vincenzkirche- Dorfkirche...

Stadtkirche um 1921
Stadtkirche um 1921
Seit 1100 oder mehr Jahren steht auf dem Platz, den heute die Stadtkirche einnimmt, ein Gotteshaus. Seine wechselvolle Geschichte spiegelt das Schicksal eines Grenzdorfes, dessen Namen - Suaninga, Swenlingen, Schwenningen - 895 erstmals urkundlich sicher festgestellt werden kann.
Ursprünglich dem Heiligen Vincenz geweiht, gehörte die Kirche um 900 zum Kloster Zürich, wechselte samt Dorf mehrfach den Besitzer und wurde um die Mitte des 15. Jahrhunderts an das Herzogtum Württemberg verkauft.
Wenigstens zweimal wurden Kirche und Dorf nahezu restlos zerstört: Einmal am 20. Juni 1525 im Bauernkrieg, als die im Schwarzwald und auf der Baar besonders aktiven Bauernhaufen geschlagen waren und die Villinger blutige Rache für erlittene Schmach nahmen.
Ein zweites Mal am 22. und 23. Februar 1633 im Dreißigjährigen Krieg, als alle Schwenninger - sie waren 1534/35 mit Württemberg Protestanten geworden - fliehen mußten und das Dorf total verwüstet zurückblieb, unbewohnbar für wenigstens 1 ½ Jahre. Nur die massiven Grundmauern des wehrhaften Kirchturms trotzten beide Male den Flammen, deren Rauchspuren an manchen Steinen noch zu erkennen sind.
Man versteht, daß Schwenningen keine alten Kirchen haben kann. Schwenningen war ein ungeschütztes württembergisches Grenzdorf im Unterschied zu Villingen, der mauerbewehrten vorderösterreichischen Stadt. Doch nach jeder Zerstörung haben die Schwenninger ihr Dorf und ihre Kirche wieder aufgebaut. Dieser Aufbau dauerte nach dem Dreißigjährigen Krieg freilich lange. Erst um 1700 war er abgeschlossen. Doch schon vier Jahre später wurde das Dorf von den Franzosen erneut geplündert und die Kirche ihrer Glocken beraubt.
Ihre jetzige äußere Gestalt bekam die Kirche 1834: Das Langschiff war zu klein geworden und wurde durch ein Querschiff ergänzt.

Die Kunstwerke der Kirche

Martin Luther
Martin Luther
Das Innere der Kirche erfuhr seine letzte Renovierung 1963/65. Der Schwenninger Architekt Christian Schlenker trug die bauliche, Prof. Rudolf Yelin, Stuttgart, die künstlerische Verantwortung. Der solide, aber nüchterne Stil der Nachkriegszeit ist unverkennbar. Verspieltheit und Kunst des letzten Jahrhunderts wurden nicht mehr geduldet. Auch die beiden großen Bilder der Reformatoren Martin Luther und Johannes Brenz kamen damals ins Heimatmuseum.
Der Schwenninger Uhrenschildmaler Johannes Jauch malte 1857 - nach Vorlagen - diese Reformatorenbilder. In der alten Kirche hingen sie an der Stirnseite rechts und links neben der erhöhten Kanzel. Zwischen ihnen predigte der jeweilige Pfarrer. 1987 bekamen sie wieder einen Platz in der Kirche, wenn auch nicht denselben.

Die Fenster mit Bibelmotiven

Ausschnitt aus einem Kirchenfenster mit dem Wappen der Familie Schlenker
Ausschnitt aus einem Kirchenfenster mit dem Wappen der Familie Schlenker
Schwenninger Familien in Amerika stifteten 1927 vier Kirchenfenster mit Motiven aus der Bibel:
Auf der linken Seite befinden sich Darstellungen aus dem Alten, auf der rechten Seite solche aus dem Neuen Testament.
Linke Seite, hinteres Fenster, von oben nach unten:
Adam und Eva - die Vertreibung aus dem Garten Eden - die Sintflut mit der Arche - Gott besucht Abraham in Gestalt von drei Männern.
Vorderes Fenster auf der linken Seite von oben nach unten:
Der Sündenbock wird in die Wüste getrieben (3. Mose 16) - Mose vor Pharao - Mose erhält die Gebotstafeln - Israel wird in der Wüste von Schlangen bedroht (4. Mose 21) - Jona, dem Walfisch entkommen.
Auf der rechten Seite befinden sich die Kirchenfenster mit Motiven aus dem Neuen Testament.
Vorderes Fenster, von unten nach oben:
Jesu Geburt mit Maria und Josef - Jesus stillt den Sturm auf dem See - Jesus wird von einer Sünderin gesalbt - ganz oben: Lazarus  wird aus dem Grab zurückgerufen.
Hinteres Fenster, von unten nach oben:
Jesus zieht in Jerusalem ein - das letzte Mahl Jesu/Abendmahl - Kreuzigung Jesu - ganz oben: die Auferstehung Jesu.

Die Altarwand

Die Altarwand - gestaltet von Prof. Yelin
Die Altarwand - gestaltet von Prof. Yelin
Zur Meditation fordert die große Altarwand von Prof. Yelin auf. Der Gekreuzigte begegnet uns hier nicht als Schmerzensmann sondern als Auferstandener, Segnender und Einladender mit ausgebreiteten Armen. Über ihm ist das himmlische Jerusalem mit seinen 12 Toren angedeutet (Offenbarung 21).
Im oberen Teil der Wand sind die Symbole abgebildet, die den Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zugeschrieben wer-den: Engel und Löwe links, Stier und Adler rechts.
Im Mittelteil befinden sich auch hier wieder Bilder aus dem Alten Testament auf der linken und aus dem Neuen Testament auf der rechten Seite.
Links: Das Gesetz (Mose mit den zerschmetterten Gesetzestafeln) und die Propheten (eine Prophetengestalt) sowie Johannes der Täufer mit der Taube als Symbol des Noah-Bundes und des Geistes Gottes.
Rechts: Stephanus wehrt den Steinhagel seiner Feinde ab als erster Zeuge des Evangeliums, neben ihm ist Paulus zu sehen mit dem Schwert des Geistes und dem Buch als Darstellung des Wortes Gottes.
Im unteren Teil ist als Frucht des Gesetztes, der Propheten und der Apostel und als Manifestation des Geistes Gottes die Gemeinschaft der Apostel an Pfingsten dargestellt, wie sie den Heiligen Geist empfangen.

Ausstattung-Orgel-Glocken-Grabplatten

Kanzel, Taufbecken, Leuchter und Kreuz auf dem Altar wurden nach den Entwürfen von Prof. Yelin durch die Schwenninger Schlosserei Fromm gefertigt.
Der wuchtige Altar trägt an den Seiten das Symbol der Weintraube (Joh. 15) und das der Fische, die in der verfolgten Gemeinde von Rom als Erkennungszeichen dienten.
Die Orgel mit 47 Registern, von Dr. Walter Supper konzipiert, wurde 1966 von Steinmeyer gebaut und 1985 auf Anregung von Prof. Hermann Maihöfer, Schwenningen, klanglich erweitert und verbessert. Aktuell fand eine große Sanierungsmaßnahme im Jahr 2009 statt.
Die drei Glocken auf dem Turm läuteten 1951 zum ersten Mal. Den letzten Glockenraub hatten die Nazis begangen.
Vier Grabplatten an der Außenwand erinnern daran, dass die Kirche bis 1727 von einem Friedhof umgeben war. Drei Grabsteine bewah-ren das Gedächtnis von Pfarrern: Pfarrer Christoph Krafft Kreußer (1693 - 1710), Pfarrer Daniel Oeder (1710 - 1736), Pfarrer Georg Thomas Habelshofer (1736 - 1752).

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