Bräunlingen liegt in der Baar, einer einheitlichen Hochebene zwischen Schwarzwald und Jura. Die Stadt selbst befindet sich im Tal, das von den Flüssen Breg und Röthenbach / Brändbach durchzogen wird. Das Tal wird vom (B)Regenberg im Norden und vom Buchberg im Süden umschlossen.
Ein virtueller historischer Stadtrundgang kann hier gemacht werden: www.braeunlingen.de/de/rundgang/rundgang.html
Die erste Siedlung auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Bräunlingen befand sich in der Zeit nach den Römern auf dem Gewand „In Stetten“. Die Alemannensiedlung reicht in das 3. bzw. 4. Jahrhundert zurück. In Bräunlingen sind drei altalemannische Friedhöfe nachgewiesen: am Lützelberg, auf den Leibern und in Schmalenläubern. Zwischen Buchberg und Lützelberg soll sich die erste Siedlung befunden haben. So ist aus dem 4. Jh. v. Chr. eine keltische Siedlung namens Brigobane nachgewiesen. Von 50-260 n. Chr. waren die Römer auf der Baar. Nach der Erstürmung des Limes im 3. und 4. Jh. n. Chr. besiedelten die Alemannen die fruchtbare Hochebene. 799 begann die Christianisierung der Baar mit der Gründung der Mutterkirche St. Remigius, einem Tochterkloster der Benediktiner auf der Reichenau. Nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1541 ging das Patronatsrecht an den Bischof von Konstanz und danach an die Erzbischöfe von Freiburg über, die bis heute für die Besetzung der Pfarrei zuständig sind. St. Remigius war also die Hauptkirche der Umgebung, weshalb sie immer als „Mutterkirche der Baar“ bezeichnet wird. Aus den Quellen geht hervor, dass die Verbindung der Filialorte Allmendshofen und Hüfingen-Dorf mit der Mutterkirche des hl. Remigius oft gänzlich unterbrochen war. Es lauerten die Gefahren des Wassers und des Eisganges. Um solchen auszuweichen, brachten die Allmendshofener ihre Toten auf dem Höhenweg über „Syren“ und „Palmen“ zu unserem Friedhof St. Remigius. Im 11. Jahrhundert begannen die Zähringer, das Dorf Brülingen als „festen Platz“ auszubauen. Die dort ansässige Burg gehörte den Herren von Brülingen. Der erste dieser Adeligen ist nachweislich 1108 Lüttfried von Brülingen. Der Name Bräunlingen ist dem Wort „Brunilo“ entlehnt, was soviel heißt wie „der Mann mit dem Brustharnisch“. Im Jahre 1218 sterben die Zähringer aus, ihr Erbe geht an die Fürsten von Urach, die sich später in Fürstenberg umbenennen. Am 30. Mai 1305 tritt eine entscheidende Wende in der Stadtgeschichte ein: Graf Heinrich von Fürstenberg liegt in Fehde mit Kaiser Albrecht I und diese endet damit, dass der Fürstenberger Bräunlingen an das Haus Österreich abtreten musste. Die Stadt bildete also fortan eine Enklave im sonst fürstenbergischen Gebiet. Heute noch steht am Bräunlinger Stadttor geschrieben: „Wie einst zum Hause Österreich stehen treu wir jetzt zum Deutschen Reich“ 1305-1806. 1313 verlieh Herzog Leopold von Österreich die Dießenhofener Freiheiten. Dieses Gesetzespapier, das im Jahre 1260 der Stadt Dießenhofen verliehen worden war, beinhaltete Stadtprivilegien und Verwaltungsvorschriften. Dank seiner Lage und mäßigen Größen wurde Bräunlingen oft von den Herrschenden vergessen. Zum Beispiel dann, wenn es darum ging, an die Österreicher Steuern zu zahlen. Dafür hatte die kleine Stadt den Nachteil, den jeweils Herrschenden als Tausch- und Verpfändungsobjekt zu dienen, das sie willkürlich veräußern konnten. Dies geschah im Jahre 1326, als das Haus Habsburg die Stadt Bräunlingen an Rudolf von Hohenberg verpfändete. 1337 fand sich Bräunlingen wieder in österreichischer Hand. Im Jahre 1393 wird eine neue Stadtordnung erlassen. Sieben Jahre später müssen die österreichischen Herrscher die Stadt an Villingen versetzen. 1415 wendet sich das Blatt wieder zugunsten der Stadt, die von 1415 bis 1425 Reichsstadt wird. Eine lebendige Erinnerung aus dieser Zeit stellen die Glocken das, die im Jahre 1425 für die Remigiuskirche gestiftet wurden. 1450 sieht sich Österreich außerstande, die Stadt wieder einzulösen und zehn Jahre später wird sie an Fürstenberg abgetreten. Die Bestrebungen der Fürstenberger, die Bräunlingen zu Leibeigenen zu machen, scheitern und im Jahre 1492 gestattet Maximilian I. von Österreich den Bräunlingern, zum Hause Österreich zurückzukehren. Die späten Jahre des 15. Jh. und das beginnende 16. Jh. sind durch zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen gekennzeichnet. So finden in den 1490er Jahren der Schweizerkrieg sowie 1524 bis 1525 der Bauernkrieg statt. Bis zum Dreißigjährigen Krieg kehrte schließlich ruhe in der Stadt ein. 1576 erlässt Erzherzog Ferdinand eine neue Stadtordnung. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde Bräunlingen stark in Mitleidenschaft gezogen. 1633 besetzten Schweden die Stadt und plünderten sie. Nach dem Krieg war es mit dem Wohlstand der Bräunlinger vorbei. Die Jahre von 1632 bis 1635 sind durch das dunkle Kapitel der Hexenprozesse gekennzeichnet. Wenn auch das Urteil immer den Tod der Betroffenen zur Folge hatte, so enthauptete man die Hexen und verbrannte schließlich ihren Leichnam. Insgesamt wird von acht Hexen berichtet, die in diesen Jahren hingerichtet wurden. 1651 bis 1652 zog das Tiroler Geschlecht Gumpp in die Stadt Bräunlingen. Diese Künstlerfamilie stellte für die Stadt allein vie Oberschultheißen (=Vorsitzende der Gerichte in der Stadt). Einer davon war Elias Gumpp. Er hatte das Amt des Oberschultheißen inne und liegt auf dem Friedhof der Remigiuskirche begraben. Ende des 17. Jh. bricht der schon lange schwelende Streit mit den Fürstenbergern aus. Auf beiden Seiten kommt es zu wilden Übergriffen wie zum Beispiel Ausspannen uns Stehlen von Pferden, unerlaubtes Roden von Wäldern usw. Ferner behaupteten die Fürstenberger, Bräunlingen sei bis zur Ringmauer fürstenbergisch und wollten die Bräunlinger am Verlassen der Stadt hindern. Oberschultheiß Elias Gumpp reitet schließlich nach mehreren fehlgeschlagenen Vermittlungsversuchen nach Wien zu bewegte Kaiser Leopold I. zur Intervention. 1686 kommt es endlich zur Beilegung des Streites durch ein Schiedsgericht in Villingen, bei dem sich Bräunlingen weitgehend durchsetzte. Das 17. Jh. ist wiederum Zeit endloser Kriege, wie der spanische und pfälzische Erbfolgekrieg beweisen. 1701 bis 1704 plündern im Zuge des spanischen Erbfolgekrieges Franzosen die Stadt. Bei dieser Gelegenheit nahmen sie auch das Stadtarchiv mit in ihr Lager vor die Stadt, wo sie es völlig zerstreut seinem Schicksal überließen. Es ist nicht verwunderlich, dass dem Pfarrarchiv deswegen zahlreiche bedeutende Urkunden fehlen, die in das Dunkel der Baugeschichte der Remigiuskirche Licht bringen könnten. Nach dem Abmarsch der Franzosen wurden einige Akten wieder auf den Feldern zusammengelesen. Um 1800 war Bräunlingen schließlich bettelarm, von zahlreichen Kriegen und Kampfhandlungen ausgezehrt. 1802 findet die Säkularisierung der Zehentabgaben statt. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 wird Bräunlingen von Österreich an Herzog Herkules III. Rinaldo von Modena abgegeben. Die Stadt gehört bis 1805 zum Herzogtum Modena-Breisgau, danach wieder zu Österreich. Der noch im gleichen Jahr erlassene Pressburger Frieden bestimmt die Zugehörigkeit der Stadt Bräunlingen zu Württemberg- 1806 übergeben die Württemberger die Stadt an Baden. Bis 1809 gilt noch die österreichische Ratsverfassung. Die Säkularisierung findet erst um 1810 statt. Eine zweite Gemarkungsverteilung fällt in das Jahr 1846. Im Zuge der Revolution von 1848/1849 werden ein aristokratisch gesinnter Bürgermeister gestürzt und zahlreiche Bürger verhaftet. Hiermit soll dem historischen Abriss Genüge getan sein.
Text: Evelyn Wegner (1999) in: 1200 Jahre Sankt Remigius in Bräunlingen
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